Mbunza Living Museum

Heute Morgen gibt es ein Novum! Der Himmel ist während des Frühstücks nicht wolkenlos blau, sondern ein paar winzige Wölkchen zeigen sich, die sich aber schon während des Frühstücks wieder vollständig auflösen. Es wird wohl – wie schon die letzten 10 Tage – ungetrübten Sonnenschein vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang geben (12,5 Stunden). Zuletzt stieg die Temperatur jeden Tag schnell an, so dass es zwischen 10 und 11 Uhr bereits 30 Grad warm war. Die Höchsttemperaturen lagen immer um die 37 Grad.

Heute gehen wir endlich einmal wieder ein paar Schritte zu Fuß, denn wir wollen dem nahegelegenen (2 km) Mbunza Living Museum einen Besuch abstatten. Bei den Living Museums handelt es sich um ein deutsch-namibisches Projekt, bei dem es darum geht, Touristen, Schulklassen und wem auch sonst zu veranschaulichen, wie die Leute in der jeweiligen Region in der Zeit vor der Kolonialisierung gelebt haben. Über ganz Namibia verteilen sich diese Einrichtungen und hier bei der Hakusembe Lodge ist es der Stamm der Mbunza, der seine traditionelle Lebensweise vorstellt. Wir ziehen den Vergleich zu den Vogtsbauernhöfen im Schwarzwald, in dem ja auch das Leben des „Stammes der Schwarzwälder“ vor dem Einzug der Industrialisierung vorgeführt wird.

Gleich nach der Rezeption werden wir in den Kral begleitet, in dem mehrere junge Frauen verschiedenen Arbeiten nachgehen. Die eine stellt aus Sisal Schnüre her, aus denen eine „Kollegin“ Fischreusen flicht. Eine andere Frau höhlt Monkey Oranges aus, um daraus Aufbewahrungsgefäße herzustellen, wiederum eine andere töpfert kleine Schalen. Zwei Männer schmieden mit einfachsten Mitteln eine Messerklinge und eine Axt. An der nächsten „Station“ spielt unser Guide gegen eine der Frauen ein „Brettspiel“, wobei das Spielbrett der Sandboden ist und als Spielsteine dienen Nüsse.

Natürlich darf auch nicht fehlen, dass man uns zeigt, welches Kraut gegen welche Krankheit oder Befindlichkeitsstörung hilft. Leider ging zwischenzeitig bei vielen der heute lebenden Mbunza dieses Wissen verloren.

Wir verlassen den Kral, also die zur Abwehr von Wildtieren umzäunte Fläche, auf der die verschiedenen Hütten stehen. Die Mbunza zeigen uns nun, wie sie mit Reusen fischen können. Dazu positionieren zwei Frauen die Reusen im flachen Wasser und die anderen Frauen treiben die Fische in Richtung der Reusen. Und tatsächlich befinden sich nach dem Manöver ein paar kleine Fischlein in den Reusen, die aber gleich wieder ihrem Element übergeben werden.

Zum Abschluss trägt die komplette Belegschaft des Living Museums – 7 Frauen und 4 Männer und 2 Babies – drei Lieder vor: drei Männer trommeln, die Frauen singen – natürlich in ihrer Stammessprache und dazu wird traditionell getanzt.

Nach den Vorführungen kauft Andrea im craft shop einen von den Mbunza geschnitzten Elefanten und zwei aus Sisal geflochtene Schalen.

Wir finden, das war ein lohnenswerter Besuch, denn wir haben nun eine Vorstellung, wie die Menschen hier lebten, bevor Missionare auf sie einwirkten und sie dann während der Kolonialzeit immer mehr von ihrer traditionellen Lebensweise verloren. Heute lebt die schwarze Bevölkerung in vielen Regionen Namibias immer noch in Krals und betreibt Landwirtschaft zur reinen Selbstversorgung. Aufgrund Ihrer Armut können sie kaum am „modernen Leben“ teilnehmen, kommen aber u.a. durch das Internet regelmäßig damit in Kontakt.

Den Nachmittag verbringen wir am Pool bei kühlen Getränken. Andrea geht in der parkähnlichen Anlage der Lodge auf Fotojagd und bekommt ein paar schöne Vögel vor die Linse.

Zum Dinner haben wir einen Tisch auf dem Deck über dem Kavango reserviert. In der lauen Abendluft am Fluss genießen wir unser Abendessen, ein Buffet-Dinner, wobei wir in der Dunkelheit, die mittlerweile hereingebrochen ist, kaum das Essen auf den Tellern ausmachen können :-).