Punta Gorda und Rio Blanco

Birder sind Frühaufsteher. Für uns bedeutet das heute ganz konkret: Der Wecker klingelt um 6 Uhr, und wenig später drehen wir unsere erste Runde über das weitläufige Gelände unserer Lodge. Der Vogelgesang ist beeindruckend vielfältig. Oft sind fünf bis zehn Arten gleichzeitig zu hören – ein vielstimmiges Konzert, das den Morgen erfüllt. Leider gelingt es uns wieder einmal nicht, alle Vögel zu entdecken, die wir hören. Dennoch bekommen wir 14 Arten zu Gesicht, und Andrea gelingt es, einige von ihnen wunderbar zu fotografieren. Manche davon sind für uns „Lifer“, also Arten, die wir zum allerersten Mal sehen.

Das Frühstück haben wir uns nun redlich verdient – und außerdem knurrt uns ordentlich der Magen. Es gibt eine Frittata (oder wie auch immer man sie hier nennt), frisches Obst und eine Scheibe Bananenkuchen, der herrlich saftig und locker ist und einfach wunderbar schmeckt.

Um 8:30 Uhr ist der Vogelgesang noch immer so intensiv, dass sich die Frage gar nicht stellt, ob wir noch einmal zu einer Runde über das Gelände der Creekside Oasis Lodge aufbrechen. Also ziehen wir erneut los. Wieder bekommen wir zahlreiche schöne und teilweise auch „neue“ Vögel vor die Augen – beziehungsweise vor die Linse. Wir werten diesen Birding-Morgen als vollen Erfolg: Es hat richtig viel Spaß gemacht, die Ausbeute an gelungenen Fotos ist groß, und unsere Bird-Life-List ist weiter angewachsen. Was will man mehr!

In Punta Gorda ist heute Farmer’s Market – den wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. An sich ist PG, wie die Einheimischen Punta Gorda nennen, nicht besonders sehenswert, doch der Markt verströmt ein ganz eigenes Flair. Also tauchen wir ein, mischen uns unters Volk, kaufen etwas Obst zu erstaunlich niedrigen Preisen und genießen einfach den Moment.

Unsere Tagesplanung sieht heute kein Dinner vor: Die Lodge bietet keines an, und wir möchten abends nicht noch einmal losfahren. Also halten wir Ausschau nach einer Gelegenheit für ein frühes Mittagessen. Fündig werden wir bei einer bunt angestrichenen Bretterbude. Wir lassen uns nieder und bestellen Barbecue Chicken mit Reis und Bohnen (W) bzw. Pancake (A) als Beilage.  Es schmeckt gut, macht satt und kostet samt Softdrinks weniger als zehn Euro. Da kann man wirklich nicht meckern.

Am Nachmittag besuchen wir den Rio Blanco Nationalpark, ein winziges, nur wenig besuchtes Schutzgebiet in den Maya Mountains, etwa eine halbe Autostunde von unserer Lodge entfernt. Schon die Fahrt dorthin ist ein landschaftlicher Genuss: sattgrüne Hügel, dahinter aufragende Berge und kleine Maya-Dörfer mit ihren traditionellen Häusern – ein wahrer Augenschmaus.

Das Highlight des Parks ist sein Wasserfall mit dem darunterliegenden „Pool“, in dem man normalerweise baden kann. Nur hat es seit Längerem nicht kräftig geregnet, der Wasserstand ist niedrig. Der Wasserfall liegt weitgehend trocken, und auch der „Pool“ lädt heute nicht wirklich zum Schwimmen ein. Der landschaftlichen Schönheit tut das jedoch keinen Abbruch.

Wir spazieren noch ein Stück weiter – und treten beinahe auf eine lange, dünne, grellgrüne Giftschlange. Was für ein Schreck! Zum Glück zeigt sie sich nicht aggressiv, sondern schlängelt ruhig den Weg entlang, bis sie nach einigen Minuten im Inneren eines halb verrotteten Baumstumpfs verschwindet. Dennoch sind wir nun deutlich vorsichtiger. Heute verlassen wir den Weg ganz sicher nicht mehr und achten aufmerksam auf jeden Schritt vor uns. Übrigens ist das die dritte Schlagen in zwei Tagen, denn gestern haben wir vergessen zu berichten, dass wir auf dem Lodge-Gelände einer riesigen schwarz-gelben Schlange über den Weg gelaufen sind und die dritte haben wir auf der Straße nach PG (beinahe) überfahren.

Da die Hängebrücke, die den Trail mit dem Wegabschnitt auf der anderen Flussseite verbindet baufällig ist, kommen wir hier nicht weiter.

Als wir nochmal zum „Wasserfall“ zurückkommen, entschließen wir uns dazu, eine Stelle zu suchen, an der wir am Wasser sitzen und zumindest die Beine ins Wasser baumeln lassen können. So eine Stelle finden wir auch bald, lassen uns nieder und erfreuen uns der wunderbaren Urwald-Atmosphäre.

Zurück in der Lodge drehen wir – wen wundert es – eine weitere Birdwatching-Runde, auf der wir zwar nicht mehr viel Neues entdecken, aber dennoch auf unsere Kosten kommen. Ein, zwei Scheiben Käsebrot auf der Terrasse und eine Flasche Weißwein, sowie anschließendes Blogschreiben und Bilder aussuchen, das ist unser „Restprogramm“ für heute. Früh ins Bett zu gehen, wäre sinnvoll, denn morgen klingelt der Wecker um 5:30 Uhr.

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