Unser Wecker klingelt um 5:30 Uhr. Müde, aber voller Vorfreude stehen wir auf und machen uns fertig für den frühen Aufbruch. Am Treffpunkt erwartet uns Matthiews Sacul, unser Birdguide, den wir für den heutigen Vormittag exklusiv gebucht haben. Er wird uns ins Agua Caliente Luha Wildlife Sanctuary führen.
Das Agua Caliente Luha Wildlife Sanctuary ist ein geschütztes Naturreservat in Belize. Es dient dem Erhalt sensibler Ökosysteme wie Lagunen, Feuchtgebiete und tropischer Wälder und bietet zahlreichen Vogelarten sowie anderen Wildtieren einen wichtigen Lebensraum.






Ohne Guide wären wir hier hoffnungslos verloren! Der Trail ist abenteuerlich und nicht immer eindeutig zu erkennen. Er führt durch hohes Schilf, über ein aufgelassenes Zuckerrohrfeld, hinein in dichten Urwald und quer durchs Unterholz. Gelegentlich müssen wir unter tiefhängenden Ästen hindurchkriechen. Manchmal ist der „Weg“ kaum zu erkennen oder verschwindet ganz, und wir bewegen uns schließlich offroad in Richtung Inlandlagune.
Schon auf dem Weg zur Lagune bleiben wir immer wieder stehen, sobald Matthew den Gesang eines interessanten Vogels wahrnimmt. Dann beginnt die Suche: Wir spähen ins Dickicht, versuchen, die Richtung des Rufes auszumachen – und mit Matts beeindruckender Expertise gelingt es uns tatsächlich meist, den gefiederten Sänger zu entdecken und auch zu fotografieren.
Als wir schließlich die Wasserfläche erreichen, eröffnet sich uns ein beeindruckendes Bild. Zahlreiche Wasservögel tummeln sich vor uns: Pfeifgänse, Blauflügelenten, verschiedene Reiher- und Watvogelarten – um nur einige zu nennen. Doch nicht nur die Vielfalt der Vögel begeistert uns. Auch die wunderschöne, fast unberührte Landschaft übt eine große Faszination auf uns aus – und vielleicht ein kleines bisschen auch das kleine Abenteuer, das dazugehört, diesen besonderen Ort überhaupt zu erreichen.



Es wird zunehmend heiß. Mit steigender Temperatur setzt die Thermik ein – ideale Bedingungen für Greifvögel, die sich nun in großen Kreisen immer höher in den Himmel schrauben. Schon zuhause tun wir uns mit der Bestimmung von Greifvögeln schwer – und hier in Belize erst recht. Die Artenvielfalt, die Lichtverhältnisse und die oft weiten Distanzen machen es nicht gerade einfacher. Zum Glück haben wir Matt an unserer Seite, einen ausgewiesenen Greifvogel-Experten. Mit beeindruckender Sicherheit erkennt er selbst kleinste Unterschiede in Größe, Farbgebung, Silhouette und Flugbild. In der folgenden Stunde sehen wir tatsächlich sage und schreibe zwölf verschiedene Greifvogelarten – darunter sogar einige seltene Vertreter. Ein unglaubliches Erlebnis!
Bevor uns die Sonne endgültig verbrennt, treten wir den Rückweg an. Gegen 11 Uhr erreichen wir wieder unser Auto, bringen Matt nach Hause und fahren anschließend zur Creekside Oasis. Dort genießen wir erst einmal eine erfrischende Dusche, gönnen uns ein kleines „Spätstück“ und holen ein wenig Schlaf nach. Wir sind um unzählige Eindrücke reicher, um Hunderte von Fotos – und um gut zwei Hände voll neuer „Lifer“. Welch ein Vormittag!
Aber auch der Nachmittag hat es in sich: Telmo, unser Gastgeber, hat vorgeschlagen, uns zur Maya-Ruine Lubaantum zu begleiten und danach mit uns zur Tiger Cave zu fahren.
Lubaantun ist eine bedeutende Maya-Ruinenstätte im Süden von Belize, nahe des Ortes San Pedro Columbia. Die Anlage stammt aus der späten klassischen Periode der Maya-Kultur (ca. 700–900 n. Chr.) und ist besonders bekannt für ihre ungewöhnliche Bauweise: Die Strukturen bestehen aus sorgfältig behauenen Kalksteinblöcken, die ohne Mörtel aufeinandergesetzt wurden.
Wir zahlen den Eintritt und gehen den Hang hinauf zu den nur minimal restaurierten Ruinen. Große, spektakulär rekonstruierte Tempel sucht man hier vergebens – stattdessen sehen wir mächtige Hügel aus behauenen Steinen, die in Summe aber eine Ahnung von der einstigen Größe der Anlage vermitteln. Die weitläufige Plaza, das gut erkennbare Ballspielfeld und einige erhaltene Mauerreste fügen sich zu einem durchaus beeindruckenden Gesamtbild zusammen, das von der mittlerweile schon tiefer stehenden Sonne in ein goldenes Licht getaucht wird.






Doch der Tag ist noch lange nicht zu Ende. Wir fahren noch ein paar Minuten weiter – über extrem holprige Wege, die man beim besten Willen nicht mehr als Straße bezeichnen kann. Angesichts der unzähligen Schlaglöcher und Bodenwellen sind wir sehr froh, einen KIA mit etwas mehr Bodenfreiheit gemietet zu haben.
Schließlich erreichen wir die „Tiger Cave“. Ohne Guide hätten wir sie niemals gefunden. Ganz sicher wären wir schon gar nicht auf das Grundstück gegangen, das deutlich mit einem „Kein Zutritt“-Schild versehen ist. Und selbst wenn – den eigentlichen Höhleneingang hätten wir sicher nicht entdeckt. Er ist nur erreichbar, indem man durch das stark strömende Wasser eines kleinen Flusses watet – deutlich mehr als knietief. Allein der Weg zum Höhleneingang fühlt sich wie ein kleines Abenteuer an.


Und auch der „Weg“ in der Höhle hat es in sich. Wir kraxeln über Felsen und lose Steine, müssen immer wieder tief in die Knie gehen und uns unter niedrigen Felsvorsprüngen hindurchzwängen. An einer besonders engen Stelle bleibe ich beinahe stecken. Doch dann öffnet sich die Höhle plötzlich zu einer riesigen, hoch aufragenden Kuppel. Der Kontrast ist überwältigend. Insgesamt ist es ein beeindruckendes Erlebnis – kein Vergleich mit einer touristisch erschlossenen Höhle mit befestigten Wegen und Beleuchtung.



Telmo erzählt, dass er schon einmal drei Stunden am Stück in der Höhle unterwegs war – so weit verzweigt ist das System. Wir jedoch müssen umkehren. Ab hier würde das Gelände noch deutlich unwegsamer und außerdem ist es inzwischen reichlich spät geworden. Auf dem Rückweg kann ich nicht widerstehen: Nach der erneuten Durchquerung des Flusses gönne ich mir noch ein kurzes, herrlich erfrischendes Bad. Danach geht es schnellstmöglich zurück zur Creekside Oasis Lodge, denn das Abendessen wartet bereits auf uns.


