Über Cockscomb nach Hopkins

Heute Morgen ist es zum ersten Mal vollständig bewölkt, und die Luft wird rasch drückend schwül. Das hält uns jedoch nicht davon ab, noch vor dem Frühstück eine weitere Runde über das herrliche Gelände der Creekside Oasis Lodge zu drehen und mit der Kamera nach der einheimischen Vogelwelt Ausschau zu halten. Wetterbedingt ist es heute deutlich ruhiger als an den vergangenen Tagen. Doch das tut der Stimmung keinen Abbruch – der Spaziergang ist wunderschön, und ein paar Piepmatze zeigen sich uns dennoch.

Nach dem Frühstück brechen wir zu einer letzten kurzen Beobachtungstour auf, ehe wir unsere Koffer packen und noch einen Videocall mit Lucas, Jana und Lena einlegen. Anschließend machen wir uns auf den Weg Richtung Norden. Unser Plan: zunächst das Schutzgebiet Cockscomb Basin Wildlife Preserve anzusteuern, dort den Nachmittag zu verbringen und später weiter zu unserem neuen Etappenziel Hopkins zu fahren. Das Reservat gilt als eines der weltweit ersten Schutzgebiete für Jaguare und schützt einen bedeutenden Teil des tropischen Regenwaldes in Belize mit einer außergewöhnlichen Artenvielfalt.

Nach etwa anderthalb Stunden erreichen wir das Jaguar-Schutzgebiet – selbstverständlich ohne ernsthaft damit zu rechnen, einer dieser scheuen Großkatzen zu begegnen. Auch viele Vogelsichtungen erwarten wir nicht: Inzwischen ist der Himmel nahezu wolkenlos, es ist Mittag, und die Bedingungen fürs Birdwatching demnach alles andere als ideal. Doch das ist heute – ausnahmsweise – auch nicht unser vorrangiges Ziel. Stattdessen freuen wir uns auf eine Wanderung durch eine beeindruckende Urwaldlandschaft.

Und die Vorfreude ist mehr als berechtigt – die Wanderung begeistert uns vom ersten Schritt an. Der zunächst gut ausgebaute Weg durch den Urwald geht nach und nach in einen schmalen, naturbelassenen Pfad über. Er schlängelt sich vorbei an mächtigen Baumriesen, hohen Palmen, dichtem Unterholz, beeindruckenden Würgefeigen und herabhängenden Lianen. Unzählige weitere Pflanzen säumen unseren Weg und entfalten vor uns eine überwältigende Palette an Grüntönen.

Auch die mittlerweile beinahe obligatorische Schlange darf heute nicht fehlen: Am Rand des Trails entdeckt Andrea ein etwa 50 Zentimeter langes, schlankes, braunes Exemplar. Statt sich bedrohlich zu zeigen, zieht es sich jedoch rasch ins Unterholz zurück.

Fast dreieinhalb Stunden sind wir schließlich im Regenwald unterwegs – und treffen wider Erwarten auf zahlreiche schöne und spannende Vogelarten, darunter sogar einige „Lifer“. Für Andrea bedeutet das höchste Konzentration: Die oft gut getarnten und flink umherhüpfenden Tierchen sind alles andere als leicht vor die Linse zu bekommen. Mit Geduld und geschultem Blick gelingen ihr dennoch tolle Aufnahmen.

Allmählich verändert sich das Licht, wärmere Töne mischen sich unter das Grün des Waldes – die blaue Stunde naht. Zeit, den Rückweg zum Parkplatz anzutreten.

Nach 45 Minuten Fahrt (allein für die sehr holprigen 9 Km zurück zum Highway brauchen wir gut 20 Minuten) erreichen wir Hopkins, einen kleinen Küstenort, der auf den ersten Blick etwas windschief und improvisiert wirkt. Eine ganze Weile sind wir auf der Suche nach unserer Unterkunft – Google Maps hat sie hartnäckig am falschen Ort verortet.

Als wir schließlich ankommen, müssen wir erst einmal überlegen, was wir hier eigentlich genau gebucht hatten. So richtig präsent ist uns das nicht mehr. Die Begeisterung hält sich allerdings in Grenzen: Unsere Bleibe entpuppt sich als ziemlich „basic“ – ein funktionales Zimmerchen, schlicht, und seine besten Tage hat es schon hinter sich – aber die Lage am Strand ist toll!

Direkt in der Nachbarschaft gibt es eine Strandbar, in der wir zu Abend essen. In der improvisierten „Kneipe“ essen wir, begleitet vom obligatorischen Belikin-Bier, einfache Tex-Mex-Gerichte. Mit einem französischen Paar kommen wir kurz ins Gespräch und erhalten von ihnen einen guten Restaurant Tipp für Caye Caulker (4. Urlaubswoche).

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