Heute steht ein weiteres Maya-Monument auf dem Programm. Caracol ist die größte und bedeutendste Maya-Ruinenstätte in Belize. Sie liegt in einem Waldreservat nahe der Grenze zu Guatemala und ist tief im Regenwald verborgen. Zu seiner Blütezeit um 650 n. Chr. lebten hier etwa 150.000 Menschen. Das höchste Bauwerk, „Caana“ („Himmelsort“), ist 43 Meter hoch und damit bis heute das höchste Gebäude in ganz Belize.

Sehr erfreulich: Die Straße dorthin (88 km von unserer Unterkunft) ist seit Kurzem durchgehend asphaltiert und in hervorragendem Zustand. Die für die erwartete Schotterpiste ursprünglich geplanten mindestens zwei Stunden Fahrzeit schrumpfen dadurch auf kaum mehr als eine Stunde. Auf dem Weg nach Caracol durchqueren wir die Mountain Pine Ridge, ein Gebirgszug, der überwiegend mit der Karibischen Kiefer bewachsen ist – ein überraschender Anblick mitten im tropischen Belize. Je weiter wir in die Berge hineinfahren, desto stärker verändert sich die Landschaft. Der dichte Regenwald verschwindet und zunehmend dominieren Pinien das Bild. Die Landschaft wirkt beinahe vertraut – für einen Moment fühlen wir uns ein wenig an den Schwarzwald erinnert.
Caracol fasziniert uns allein schon durch seine schiere Größe, aber auch durch die – im Vergleich zu den bisher besuchten Monumenten – deutlich höhere Komplexität. Hier lassen sich wesentlich mehr architektonische Strukturen erkennen und nicht nur Steinhaufen wie in Lubaantun oder einfache Pyramiden wie in Cahal Pech.






Wir sind insgesamt mehr als drei Stunden in der Anlage unterwegs, wovon wir einige Zeit für eine ausgiebige Sichtung von Montezuma-Stirnvögeln verbringen, die hier ihre auffälligen Nester in einen Baum bauen, der mitten in dem Gebäudekomplex “A Plaza“ steht. Die Hitze und die vielen Stufen strengen uns ganz schön an!


Auf dem Rückweg machen wir noch einen kurzen Abstecher zu den Rio On Pools, einer natürlichen Badestelle, an der sich kleine Wasserfälle in mehrere Becken ergießen. Heute ist Sonntag, und die einheimische Bevölkerung nutzt diesen Ort in großer Zahl. Kaum ein Plätzchen in dieser herrlichen Umgebung ist noch frei. Schnell reift daher der Gedanke: Morgen kommen wir noch einmal hierher und machen einen ausgedehnten Fluss-Badetag.

Ein weiterer Abstecher führt uns zu den Big Rock Falls. Hier stürzt sich der Privassion River rund 45 Meter in die Tiefe. Ein beeindruckendes Naturschauspiel – wäre da nur nicht der äußerst beschwerliche Abstieg und später wieder der Aufstieg über steile Holztreppen.

Zurück in unserer „Santa Cruz Cabin“ hat eine erfrischende Dusche die höchste Priorität und später dann das verdiente Abendessen – heute Cevice und Burger bei „The Chief’s Patio“.
PS: Eigentlich hatten wir fest vor, die Maya-Stätte Tikal in Guatemala zu besuchen, wenn wir hier in San Ignacio sind. Den Plan haben wir inzwischen aber verworfen. Mit Caracol haben wir bereits eine beeindruckende und sehr große Maya-Ruinenstadt gesehen. Außerdem ist der Aufwand (zeitlich und finanziell) ziemlich hoch, um von hier aus nach Tikal zu kommen, und wir könnten die Anlage nur zur Mittagszeit besichtigen. Der besondere Reiz von Tikal ist aber wohl eher in den frühen Morgenstunden oder abends bei Sonnenuntergang zu erfahren. Mittags ist die Anlage zudem von großen Menschenmengen überlaufen. Zu viele Gründe also, die dagegensprechen – deshalb lassen wir Tikal aus.

