White Lady Lodge

Wie gestern bereits angedeutet, werden wir heute für eine Übernachtung in die White Lady Lodge umziehen. Eigentlich hatten wir heute vor, die Felsformation „Fingerklippe“ zu besuchen, aber das ist uns letztlich einfach zu weit und zu heiß. Denn tags drauf steht ja zudem die Fahrt in den Messum-Krater an. Aber einen Tag im Camp Madisa „abzusitzen“ ist auch nicht wirklich verlockend (heißes Zelt, mittelmäßiger Pool, kein Strom, kein Internet.) Daher brechen wir nach dem Frühstück Richtung Süden auf, fast auf der der gleichen Strecke, die wir gestern zu den Wüstenelefanten zurückgelegt haben.

Die White Lady Lodge liegt an dem Trockenflusstal Ugab, in dem die Wüstenelefanten „zu Hause“ sind. Bei Anixab durchqueren wir den Ugab und halten natürlich Ausschau nach den Elis. Gestern standen sie keine 20 Meter entfernt von der Pad. Doch heute sind sie leider nicht zu sehen. Egal, denn wir sind gestern ja voll auf unsere Kosten gekommen. Die Fahrt geht weiter Richtung Uis und wir begeistern uns mal wieder an der teilweise surrealistisch anmutenden Landschaft, die mehr und mehr vom Brandberg dominiert wird. Hierbei handelt es sich um das höchste Gebirgsmassiv Namibias (Königstein-Peak: 2580m) mit einem quasi kreisrunden Durchmesser von 30 km. Kurz bevor wir zur White Lady Lodge abbiegen, machen wir wieder einen kurzen Halt am Straßenrand und beglücken eine Mutter mit zwei kleinen Jungs mit 5 Liter Wasser und ein paar Orangen.

Gegen 10:30 Uhr fahren wir bei der Lodge vor, melden uns an. Leider ist kein Chalet mehr frei, aber wir bekommen ein Zimmer zugeteilt (ähnlich wie in einem Motel). Doch zunächst heißt es für die nächsten vier Stunden: ab an den Pool, auf den beschatteten Liegen dösen, lesen und die Blogbeiträge inklusive Bilder der letzten Tage hochladen. Uns war klar, dass wir das Lodgegelände nicht wieder fast für uns allein haben würden wie 2020, aber etwas weiniger Trubel am Pool hätte uns dann doch besser gefallen. Uns scheint, dass sich über das Wochenende zwei Namibische Großfamilien hier eingemietet haben und entsprechend geht es zeitweise „etwas lebhafter“ zu.

Irgendwann nachmittags wird es uns einfach zu heiß. Wir fahren zu unserem Zimmer, richten uns ein und genießen den Luxus eines klimatisierten Raumes. Mir kommen dabei wieder die Menschen in den Sinn, die hier unter einfachsten Bedingungen leben müssen. Das sind weiß Gott harte Lebensbedingungen. Ihnen fehlt viel mehr als nur eine Klimaanlage.

Gegen 18 Uhr begeben wir uns wieder zum Hauptgebäude. Während wir unsere elektrischen Geräte (Laptop, Handys, Foto-Akkus…) dort aufladen, genießen wir einen Drink in der Nähe des Pools und ersteigen den kleinen „Hausberg“ zur Sundowner-Zeit. Um 19 Uhr gibt es Abendessen auf der Terrasse, das mit einer Überraschung endet: wir sind schon am Gehen, als sich eine Gruppe von etwa 20 Angestellten der Lodge (Gärtner, Küche, Service, Rezeption, …) auf der Terrasse versammelt, um für eine kleine deutsche Reisegruppe zu singen. Wir lauschen begeistert ihrem mitreißenden Gesang, der so unsagbar viel Lebensfreude ausdrückt. Beneidenswert, trotz aller Armut!

Eine weitere Überraschung erwartet uns dann noch vor unserem Zimmer: als wir es uns gerade auf der Terrasse für ein Gläschen Wein gemütlich gemacht haben, entdeckt Wolfgang einen schwarzen Skorpion, der es sich in einer dunklen Ecke vor unserer Zimmertür auf unserem Fußabstreifer bequem gemacht hat (quasi unsichtbar). Zu allem Überfluss ist es auch noch einer von der gefährlichen Sorte (kleine Scheren, dicker Schwanz). Hier wollen wir das Tier auf keinen Fall belassen. Also ziehe ich den Fußabstreifer mit dem Fuß von der Hauswand weg, was den Skorpion dazu bewegt, die Flucht anzutreten. Uff! Was haben wir doch für ein Glück gehabt, dass wir nicht auf diese Giftspritze getreten sind!

PS: ein Naturkenner in Swakopmund erklärt uns einige Tage später, dass das wohl ein Parabuthus villosus war, der zu den rund zwei Dutzend Arten (von insgesamt ca. 1.500 Skorpionarten) zählt, die dem Menschen gefährlich werden können. Auf jeden Fall soll er zu den gefährlichsten Skorpionen im südlichen Afrika zählen.

Morgen früh werden wir wohl zeitig aufbrechen, uns noch in Uis mit Wasser versorgen und dann geht es in den Messum-Krater. Dort wollen wir „wild“ campen (das ist bedingt erlaubt). Ein kleines Abenteuer also, da lange 4×4-Strecke und sehr, sehr abgelegen. Am Montag geht es dann zurück in die Zivilisation: ins kühle Swakopmund.  Dort erwarten uns dann Tageshöchsttemperaturen um die 20 Grad.